Phase 6: Installation und Bauüberwachung

Phase 6: Installation und Bauüberwachung

Die Installationsphase ist die kritischste Phase im Projekt. Hier entscheidet sich, ob die geplante Qualität tatsächlich umgesetzt wird. Fehler in dieser Phase sind später nur mit erheblichem Aufwand zu korrigieren.


Vor Installationsbeginn

Kick-off-Checkliste

  • Baubesprechung mit allen Gewerken durchgeführt
  • Trassenführung final abgestimmt und freigegeben
  • Materialabruf erfolgt und Liefertermine bestätigt
  • Zugangsregelungen und Schlüsselübergabe geklärt
  • Sicherheitsunterweisung für alle Monteure durchgeführt
  • Lagerfläche für Material organisiert
  • Ansprechpartner (Bauleiter, Auftraggeber) definiert

Baustellenkontrolle während Installation

Tägliche Kontrollen

PrüfpunktNorm-BasisGrenzwertPrüfmethode
Biegeradien KupferEN 50174-2min. 8× Kabel-ØSichtprüfung, Radiuslehre
Biegeradien LWLEN 50174-2min. 20× Faser-ØSichtprüfung
Kabelzugkraft KupferEN 50174-2max. 100 NZugkraftmesser
Kabelzugkraft LWLEN 50174-2max. 50 NZugkraftmesser
SchirmanbindungEN 50310360°-KontaktierungSichtprüfung (KEIN Pigtail!)
BündelungsabständeEN 50174-2max. 24 Kabel/BündelZählen

Wöchentliche Kontrollen

  • Brandabschottungen korrekt verschlossen
  • Beschriftung gemäß Schema vorhanden und lesbar
  • Messprotokollierung läuft parallel zur Verlegung
  • Fotodokumentation aktuell und vollständig
  • Materiallager organisiert (kein Kabelsalat)
  • Abweichungen vom Plan dokumentiert

Fotodokumentation-Leitfaden

Fotografieren Sie IMMER folgende Situationen:

1. Vor Verlegung

  • Rohbauzustand der Räume
  • Geplante Trassenführung (Deckenbereiche, Schächte)
  • Bestehende Installationen (Heizung, Lüftung, Elektro)

2. Während Verlegung

  • Kritische Biegungen an Trassen und Ecken
  • Brandabschottungen vor dem Verschluss
  • Kabelführung in Steigeschächten
  • Schirmanbindungen an Patchpanels (360°-Kontaktierung!)
  • Beschriftung an Verteilern und Dosen

3. Nach Verlegung

  • Komplettansicht jedes Verteilers (Patchfeld + Beschriftung)
  • Dosenpositionen je Raum mit Raumnummer
  • Schaltschrank-Innenleben (Kabelmanagement)
  • Fertige Trassen vor Deckenschluss

Praxis-Tipp: Fotos mit Datum-Wasserzeichen und Raumnummer versehen. Dateiname-Schema: DATUM_RAUM_BESCHREIBUNG.jpg (z.B. 2025-03-15_EG-101_EV-Patchfeld.jpg)


Mängel-Protokoll

Vorlage Mängelerfassung

DatumOrt/RaumMangelKategorieVerantwortlichFristStatus
15.03.EV 1.OGBiegeradius nur 3cm statt 5cm an TrasseneckeKritischFa. Müller16.03.OFFEN
15.03.Raum 203Dose 5cm zu hoch montiertGeringFa. Müller20.03.BEHOBEN
16.03.SV KellerSchirmung als Pigtail angeschlossenKritischFa. Müller17.03.OFFEN
17.03.Flur 2.OGKabel nicht beschriftetWichtigFa. Müller19.03.IN ARBEIT

Mängel-Kategorien

KategorieBeschreibungReaktionszeit
KritischNormverletzung, SicherheitsrisikoSofortige Nachbesserung (24h)
WichtigQualitätsmangel ohne NormverletzungNachbesserung vor Abnahme
GeringOptische Mängel, DokumentationslückenKann nach Abnahme behoben werden

Häufige Installationsfehler

1. Biegeradius unterschritten

Problem: Kabel zu eng um Ecken verlegt
Norm: EN 50174-2 fordert min. 8× Kabel-Ø (Kupfer) bzw. 20× Faser-Ø (LWL)
Lösung: Kabel neu verlegen, Radiusbegrenzer an kritischen Stellen installieren

2. Pigtail-Erdung statt 360°-Kontaktierung

Problem: Schirmgeflecht zu Draht zusammengedrillt und geerdet
Norm: EN 50310 fordert 360°-Kontaktierung
Auswirkung: Wirkt als Antenne, verschlechtert EMV massiv
Lösung: Spezielle Schirmklemmen oder Schirmblech verwenden

3. Zugkraft überschritten

Problem: Kabel mit Gewalt durch Rohre gezogen
Norm: EN 50174-2 begrenzt auf 100 N (Kupfer) bzw. 50 N (LWL)
Lösung: Gleitmittel verwenden, ggf. Zwischenzüge einrichten

4. Fehlende Brandabschottung

Problem: Deckendurchbrüche nicht verschlossen
Norm: Landesbauordnung + EN 50575 (CPR)
Lösung: Brandschott mit zugelassenem System nacharbeiten (Dokumentation!)


Installationsqualität sichern

Prüfcheckliste pro Verteiler

  • Biegeradien eingehalten (8× bei Kupfer, 20× bei LWL)
  • Zugkräfte nicht überschritten (100 N Kupfer, 50 N LWL)
  • Kabel nicht gequetscht, geknickt oder verdrillt
  • Abstandsregelungen zu Störquellen eingehalten:
    • 200 mm zu ungeschirmten Stromkabeln
    • 100 mm zu geschirmten Stromkabeln
    • 130 mm zu Leuchtstofflampen
  • Brandschutzabschottungen fachgerecht ausgeführt
  • Schirmanbindung 360° (KEIN Pigtail!)
  • Beschriftung vollständig und dauerhaft
  • Reserveschlaufen für spätere Nacharbeiten vorhanden

Abschluss Installationsphase

  • Alle Mängel behoben oder dokumentiert
  • Fotodokumentation vollständig
  • As-Built-Pläne aktualisiert (Abweichungen eingetragen)
  • Material-Restmengen erfasst
  • Freigabe für Messphase erteilt

Praxisbeispiel: Baustellenkontrolle Bürogebäude

Projekt: 3-stöckiges Bürogebäude, 150 Arbeitsplätze, 1 Etagenverteiler pro Etage

Woche 1: Trasseninstallation

  • Mo: Kick-off mit Installateur, Trassenführung begangen
  • Mi: Kontrolle Steigeschacht, Biegeradien OK
  • Fr: Brandabschottung EG-1.OG kontrolliert, Mangel festgestellt (nicht verschlossen)

Woche 2: Kabelverlegung

  • Mo: Kontrolle Kabelzug 1.OG, Zugkraftmesser eingesetzt (85 N gemessen - OK)
  • Mi: Pigtail-Erdung am EV 2.OG entdeckt - Mangel sofort gemeldet
  • Fr: Nachbesserung Pigtail auf 360°-Kontaktierung abgenommen

Woche 3: Anschlussarbeiten

  • Mo: Beschriftungskontrolle alle Etagen
  • Mi: Fotodokumentation vor Deckenschluss
  • Fr: Freigabe Messphase nach Mängelbeseitigung

Ergebnis: 3 kritische Mängel identifiziert und behoben vor Abnahme